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Titelthema | Peter Reuter | INDat Report 07_2011

ESUG bringt Schub in die Restrukturierung:
Wirtschaftskanzleien positionieren sich

Köln. Der Verabschiedung in zweiter und dritter Lesung am 27./28.10.2011 und dem Inkrafttreten des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) im Frühjahr 2012 sehen die großen deutschen Wirtschaftskanzleien mit recht hohen Erwartungen und Zuversicht entgegen. Nicht nur die Restrukturierung innerhalb der Insolvenz erhält dadurch neuen Auftrieb, auch die Präsenz der großen Wirtschaftskanzleien im insolvenznahen Beratungssektor bekommt einen deutlichen Schub, sagen die acht vom INDat-Report befragten Wirtschaftskanzleien, die zu den größten in Deutschland zählen. Rund um Insolvenzplan, Eigenverwaltung und Verwalterauswahl wollen sie ihre Mandanten auf Gläubiger- und Schuldnerseite mit Rat und Tat unterstützen. Wie weit ihre Dienste gehen, ist noch nicht genau bestimmt, aber ihr Aktionsradius im Insolvenzgeschehen wird sich deutlich vergrößern.

Neu ist das Feld für sie keineswegs, das es mit ESUG zu beackern gilt, aber es wird größer. Alle großen Wirtschaftsrechtskanzleien in Deutschland führen seit Längerem eine Abteilung für Restrukturierung, die Namen trägt wie »Insolvency and Restructuring« oder »Corporate Refinancing, Restructuring & Rescue Team«. Sie sind auf den Bereich der Sanierung von Unternehmen außerhalb der Insolvenz fokussiert, beraten und vertreten aber auch Schuldner und Gläubiger im Insolvenzverfahren. Die einzige Großkanzlei mit überörtlicher Insolvenzverwalterpraxis ist White & Case, aber auch Verwalter von CMS Hasche Sigle haben langjährige Erfahrungen in grenzüberschreitenden Insolvenzverfahren neben der reinen sanierungs- und insolvenzrechtlichen Beratung. Weil mit dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) die Restrukturierung in der Insolvenz mehr Möglichkeiten eröffnet und damit an Aufgaben zunimmt, da man nicht zuletzt mit dem vereinfachten Planverfahren, dem Schutzschirmverfahren und in puncto Berechenbarkeit auch bei der Verwalterauswahl einiges verändern will, spricht dies nun auch Spezialisten an, die bislang im Insolvenzverfahren mit ihrer Präsenz eher zurückhaltend waren.

Das wird sich nun mit ESUG ändern, sagen die acht befragten Großkanzleien, sodass neben der klassischen Verwaltertätigkeit, die diese wohl nicht anstreben werden, die Planerstellung, die umfängliche frühzeitige Beratung der Gläubiger und Schuldner, das Schutzschirmverfahren und das Ausstellen der einleitenden Bescheinigung zu den »umkämpften« Tätigkeiten zählen werden, für die sich sowohl Verwalter- als auch Wirtschaftskanzleien als am besten geeignet ansehen. Schließlich könnte eine Verwalterkanzlei, wenn keiner ihrer Verwalter mit dem Fall betraut ist, eine der anderen neuen Aufgaben ebenfalls bestens übernehmen.

»Unser Aktionsradius wird sich vergrößern«

»Während wir bisher vor allem in der vorinsolvenzlichen Beratung und nur eingeschränkt im Insolvenzverfahren tätig waren, wird sich unser Aktionsradius auch in diesem Verfahrensstadium vergrößern«, sagt Dr. Lars Westpfahl, Partner von Freshfields Bruckhaus Deringer, deren Bereich Restrukturierung/Insolvenz man weiter verstärken werde. »So wird es zukünftig zu unserem Beratungsangebot gehören, ein Unternehmen bei der Sanierung im Rahmen eines Insolvenz(plan)verfahrens einschließlich der Erstellung des Insolvenzplans zu beraten.« Dennoch würden weder die Insolvenzverwaltung noch das Sachwalteramt und Organfunktionen zum Tätigkeitsbereich seiner Kanzlei gehören.

»Die geplanten Änderungen dürften für uns mit starkem Restrukturierungsbereich zu einer Erweiterung des Betätigungsfeldes führen«, sagt Dr. Heiko Tschauner, Partner und Leiter der Praxisgruppe Restrukturierung und Insolvenzrecht in Deutschland bei Hogan Lovells, mit der man in den nächsten Jahren weiter wachsen wolle. Auch Dr. Andreas Spahlinger, Partner und Sprecher der Restrukturierungspraxis von Gleiss Lutz, sieht es wie sein Kollege. »Wir gehen davon aus, dass wir durch ESUG weitere Tätigkeitsfelder erschließen werden und bestehende Tätigkeitsfelder erweitern können.« Seine Kanzlei beabsichtige, im Restrukturierungsbereich weiter zu wachsen und die Gruppe, die derzeit aus 30 Anwälten besteht, auszubauen.

»Wir erwarten, dass das ESUG durch die Erweiterung des insolvenzrechtlichen Instrumentenkastens weitere komplexe Sanierungsaufgaben für uns bringen wird«, sagt Prof. Dr. Christian Pleister, Partner bei Noerr und Leiter der Corporate Refinancing, Restructuring & Rescue Group. Ob es dagegen tatsächlich zur »vorhergesagten Konsolidierung« von Insolvenzverwalterpraxen komme, sei noch keineswegs ausgemacht. ESUG biete weiterhin »große Spielräume« für eine »individualistische« Bestellungspraxis der einzelnen Gerichte und Insolvenzrichter.

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