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Titelthema | Peter Reuter | INDat Report 06_2011

Warum nur kleine Brötchen backen?
Dipl.-Wirtschaftsjuristen als Insolvenzverwalter

Köln. Ein leicht spürbarer und wachsender Trend oder dennoch nur die zufällige Ausnahme von der Regel? Seit Kurzem gibt es einige Diplom-Wirtschaftsjuristen, die von den Insolvenzgerichten mit IN-Verfahren betraut werden. Es sind vereinzelte Insolvenzrichter, die diese Offenheit praktizieren, denn bei vielen Gerichten herrschen immer noch Vorbehalte und Skepsis vor, ob Diplom-Wirtschaftsjuristen das nötige Rüstzeug, die Eignung und Qualifikation für Unternehmensinsolvenzverfahren mitbringen. Die Richter bevorzugen in der Regel Volljuristen als Verwalter, wie sie selbst auch welche sind. So verwundert es nicht, dass in den Statistiken weit über 90 Prozent der Unternehmensinsolvenzverwalter Volljuristen sind, dazu kommen vereinzelt StB/WP und Diplom-Kaufleute. Doch mit dieser geringen Repräsentanz wollen sich einige Diplom-Wirtschaftsjuristen nicht abfinden und peilen die nächste Stufe auf ihrer Karriereleiter als Insolvenzverwalter an. Bei diesem Vorhaben werden einige von ihrer Kanzleispitze unterstützt und gefördert.

Auf etwa 6000 schätzt man die Anzahl der Insolvenzsachbearbeiter in den Verwalterkanzleien. Eine Umfrage der Bundesvereinigung der Sachbearbeiter in Insolvenzsachen (BS INSO) ergab kürzlich, dass 20 Prozent von ihnen die Qualifikation eines Diplom-Wirtschaftsjuristen (FH) haben. Ein Teil dieser qualifizierten und erfahrenen Kräfte möchte nun nach vielen Jahren der einschlägigen Tätigkeit als erster Sachbearbeiter, sogenannter »Schattenverwalter« oder der Befassung ausschließlich mit IK-Verfahren in seiner beruflichen Laufbahn weiterkommen und strebt die Tätigkeit als selbst bestellter Verwalter in IN-Verfahren an.

Einer, der diesen Weg erfolgreich eingeschlagen hat, ist der Ulmer Diplom-Wirtschaftsjurist Tobias Sorg. »Für mich spürbar wurde das Thema, als sich der VID der Frage der Eignung zum Insolvenzverwalter annahm und insgesamt die wichtige Frage nach der Qualität und der Bewertung der Insolvenzverwalter aufkam«, sagt Tobias Sorg, der 2011 seine eigene Kanzlei SORG Insolvenzverwaltung in Ulm gründete und seitdem mit der bundesweit tätigen Sozietät KÜBLER in fester Kooperation verbunden ist. »Da kursierten zeitweise Meinungen, dass ausschließlich Volljuristen als Insolvenzverwalter geeignet seien. Ich denke aber, dass wir darüber schon lange hinaus sind.« Schon während seines zweiten Pflichtpraktikums bei einer mittelständischen süddeutschen Verwalterkanzlei habe er bereits »mangels qualifizierter Mitarbeiter« die Chance erhalten, Verfahren federführend zu bearbeiten. »Darunter waren auch Unternehmensfortführungen mit weit über 50 Mitarbeitern. Damals war ich 23 Jahre alt.« Gleich nach Beendigung seines Studiums an der Hochschule Pforzheim ist Sorg als Insolvenzverwalter bestellt worden. Zunächst vom AG Neu-Ulm, kurz darauf durch das AG Göppingen. Mittlerweile werde er von sechs Insolvenzgerichten im süddeutschen Raum regelmäßig bestellt und mit Unternehmensfortführungen betraut. Eines seiner »spannenden« Verfahren sei das der Rimmele/Scheerle Unternehmensgruppe gewesen, das ehemals größte Ziegelwerk in Baden-Württemberg, für die drei Verwalter bestellt wurden.

»Wir haben durchweg gute Erfahrungen mit Diplom-Wirtschaftsjuristen bzw. Hochschulabsolventen mit LL.B./LL.M.-Diplom sowohl von Universitäten als auch Fachhochschulen, wie Kiel, Köln, Nürtingen-Geislingen und Schmalkalden, gemacht«, sagt Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Dr. Bruno M. Kübler, Seniorpartner der Sozietät KÜBLER. Die Bewerber hätten ganz überwiegend bereits praktische Erfahrungen in Unternehmen und vielfach auch in Insolvenzkanzleien sammeln können. »Wenn sie von Hochschulen kommen, die eine Spezialausrichtung »Insolvenz« sowohl für die Bereiche Wirtschaftsrecht als auch für Restrukturierung/Insolvenzmanagement haben, sind sie uns besonders willkommen. Sie haben damit bessere Grundvoraussetzungen als mancher junge Anwalt mit Prädikatsexamen.« Bei konkreter Suche nach Nachwuchskandidaten mit potenziellem Verwalterprofil – insbesondere für die Mitwirkung bei der Abwicklung von Unternehmensinsolvenzen – ziehe die Sozietät KÜBLER dennoch meistens anwaltliche Bewerber vor. »Nicht weil sie besser qualifiziert wären – ein guter Diplom-Wirtschaftsjurist bzw. Inhaber eines LL.B.- bzw. LL.M.-Diploms kann einen genauso guten juristischen Sachverstand haben oder erwerben wie ein Volljurist. Ausschlaggebend ist dann, dass die Anwaltskandidaten bereits aufgrund ihres Alters – zirka 30 bis 35 Jahre – meist ausgereifter sind als die jüngeren etwa 24- bis 28-jährigen Diplom-Wirtschaftsjuristen bzw.LL.B/LL.M.-Diplomanden.« Hinzu komme, dass die Insolvenzrichter bei der Verwalterauswahl häufig Volljuristen – »zu Unrecht« – als allein »satisfaktionsfähig« ansähen. Letztlich entscheide jedoch die Persönlichkeit des Bewerbers, insbesondere müsse er das »Zeug« zum Manager haben, d.h. für Führungsaufgaben geeignet sein. So müsse er ein guter Teamleader sein, Mitarbeiter motivieren können und soziales Verständnis haben. »Diese Qualitäten haben wir bei unserem Kooperationspartner Diplom-Wirtschaftsjurist Tobias Sorg, der bereits mit seinen jetzt 30 Jahren nennenswerte Erfolge als federführender Bearbeiter und Verwalter von Unternehmensinsolvenzen aufweisen kann, bestens gewährleistet gesehen.«

Auch der Braunschweiger Diplom-Wirtschaftsjurist Tobias Hartwig ist als Insolvenzverwalter tätig. Anfang dieses Jahres hat ihn das AG Braunschweig in einem der größten Verfahren der Region bisher zum Zwangsverwalter bestellt. Bei seinem Wirtschaftsrechtsstudium an der Hochschule Ostfalia (siehe INDat-Report 02_2011, Titel: »Frisch für den Markt! An welchen Hochschulen Verwalterkanzleien den Nachwuchs finden«), an der er seit 2010 einen Lehrauftrag für Handels- und Gesellschaftsrecht hat, habe er die Vertiefungsrichtung Insolvenzrecht/Sanierungsmanagement gewählt und bereits im Diplomsemester einen festen Arbeitsvertrag bei einem Insolvenzverwalter gehabt. Nach drei Jahren wechselte er zu einem bundesweit tätigen Insolvenzverwalter und war dort fünf Jahre als »Schattenverwalter« – »Unternehmen aller Art und jeder Größe zu 90 Prozent eigenständig betreut, sogar zwei börsennotierte Gesellschaften« – und Standortleiter tätig. Da diese Kanzlei ihn nicht als Verwalter, »jedenfalls nicht auf dem Papier«, haben wollte, sei er zu der norddeutschen Verwalterkanzlei Willmer & Partner gewechselt, sagt Hartwig, der auch Vorsitzender des Verbands BS INSO ist, die seinen Weg als Verwalter auch auf dem Papier fördert und unterstützt.

»Wirtschaftsjuristen bilden einen Pfeiler unserer Sanierungserfolge«, sagt Kanzleigründer RA und Insolvenzverwalter Dr. Christian Willmer. Für die Tätigkeit als Insolvenzverwalter habe sich im Laufe der vergangenen Jahre ein eigenes Berufsbild entwickelt. »Um dieses auszufüllen, bedarf es neben fundierten rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen auch Eigenschaften wie Organisationsvermögen, Belastbarkeit und Menschenkenntnis.« Die akademische Grundqualifikation könne neben dem juristischen und dem betriebswirtschaftlichen konsequenterweise auch das wirtschaftsrechtliche Studium liefern. »Entscheidend ist, dass sich dann die Ausbildung in einer Insolvenzverwalterkanzlei anschließt.«

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