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Titelthema | Peter Reuter | INDat Report 07_2008

Der VID verpflichtet sich zur Zertifizierung:

Die erste Hürde liegt bei ISO 9001

Köln. Für manche Verwalterbüros wird dieser Vorstoß schon Probleme bereiten, für andere geht er nicht weit genug. Die Mitglieder des Verbands Insolvenzverwalter Deutschlands e.V. (VID) werden sich auf dem Deutschen Insolvenzverwalterkongress 2008 in Potsdam auf die Norm ISO 9001 verpflichten, um für die Ausübung ihres Berufes strenge Maßstäbe sicherzustellen. Diese Selbstverpflichtung zur Zertifizierung gilt als erster großer Schritt in der Qualitätsoffensive, dem allerdings nicht alle Verwalter folgen können. Doch weitere Schritte und damit Hürden werden sicherlich bald kommen.

Die Beschlussvorlage für die Mitgliederversammlung auf dem Deutschen Insolvenzverwalterkongress 2008 (6. bis 8.11.2008) in Potsdam, die alle Mitglieder zur Zertifizierung nach ISO 9001 verpflichtet, gilt als so gut wie abgesegnet. Vielleicht wird dort noch um das eine oder andere Wort gerungen, der Tenor ist aber im Grunde klar formuliert. Die Satzung soll um einen neuen § 14 ersetzt werden, der unter der Überschrift »Zertifizierungsverpflichtung für Mitglieder« steht. Darin heißt es: »Die Mitglieder verpflichten sich, für ihre Tätigkeit als Insolvenzverwalter ein Qualitätsmanagementsystem zu installieren und dieses durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle nach ISO 9001 in der jeweils aktuellen Fassung zertifizieren zu lassen. Die näheren Anforderungen an die Zertifizierung können in den Berufsgrundsätzen geregelt werden.« Des Weiteren verpflichten sich die Mitglieder, »das entsprechende Zertifikat dem Vorstand unaufgefordert bis spätestens 31.12.2010 und danach alle drei Jahre vorzulegen. Neu eintretende Mitglieder sind verpflichtet, das Zertifikat innerhalb von zwei Jahren nach ihrer Aufnahme und danach alle drei Jahre vorzulegen«. Sollte eine entsprechende Zertifizierungsurkunde trotz Mahnung und Nachfristsetzung durch den Vorstand nicht vorgelegt werden, führe das zum Ausschluss des Mitglieds.

Grünes Licht zur ISO-Verpflichtung und zu dieser von Vorstand und Geschäftsführung vorgeschlagenen Satzungsänderung hat auch die VID-Arbeitsgruppe Zertifizierung in ihrer letzten Sitzung vor dem Insolvenzverwalterkongress am 24.10.2008 in Berlin gegeben. Die Beschlussvorlage sei präzise vordefiniert, dessen war sich die Runde einig. Man diskutierte allerdings darüber, ob und wie der VID künftig in die Zertifizierungsprozesse eingebunden sein sollte. Die Mehrheit der Arbeitsgruppe sprach sich dagegen aus, dass der VID das Zertifikat selbst herausgibt. Auch freundete man sich nicht mit dem Vorschlag an, dass der Verband ein komplettes Musterhandbuch für ein QMS erstellt. Vielmehr plädierte die Runde dafür, im Verband weitere Prüfkriterien und Standards zu definieren. Die Frage, in welcher Weise der VID diese weiteren Normen setzt – ob im Vorstand, in einer Arbeitsgruppe oder im Mitgliederplenum – sei noch zu diskutieren.

Die Zertifizierung soll durch eine anerkannte Zertifizierungsgesellschaft vorgenommen werden, beispielsweise die DQS GmbH oder den TÜV. Auf der Site www.tga-gmbh.de sind eine Reihe von Prüfungsgesellschaften aufgelistet, die dafür in Betracht kommen.

Bisher sind schon einige Verwalterbüros nach DIN EN ISO 9001:2000 zertifiziert worden. Vorreiter eines zertifizierten QMS waren die Verwalterbüros von Wilhelm Klaas und Peter Depré, die sich schon dafür entschieden haben, bevor die Qualitätsdiskussion im Verband überhaupt begonnen und man in der Verwalterschaft dieses Thema ernst genommen hatte. Inzwischen hat die DQS GmbH u.a. auch für die Kanzleien Wellensiek, Rhode & Partner, MHBK Müller-Heydenreich Beutler & Kollegen, Franke & Franke, Kilger & Fülleborn, Blersch Goetsch & Partner und Hanns Pöllmann das Zertifikat für das QMS ISO 9001 bzw. InsO 9001 ausgestellt. Das Büro des VID-Vorsitzenden Dr. Siegfried Beck hat das ISO 9001-Zertifikat von der LGA InterCert Zertifizierungsgesellschaft mbH erhalten.

Dem Entschluss des VID, sich für eine obligatorische ISO-Zertifizierung auszusprechen, ging eine längere und intensiv geführte Qualitätsdiskussion voraus (siehe INDat-Report 04_2007: »Mit Brief und Siegel – Kommt die Zertifizierung?«). Im Vorfeld der VID-Frühjahrstagung im Mai dieses Jahres sprach sich der VID-Vorstand »nach gründlicher Prüfung der zur Verfügung stehenden Zertifizierungs- und Qualitätsmanagementsysteme« dafür aus, den Mitgliedern die ISO 9001 als verbindliche Norm vorzuschlagen. Die Mitglieder stimmten diesem Vorschlag auf der Tagung zu, wenngleich einigen dieser Schritt in der Qualitätsoffensive nicht weit genug geht. So stand ebenfalls die auf ISO 9001 aufbauende und verwalterspezifischere InsO 9001 zur Debatte sowie das Ratingsystem nach den Richtlinien des Deutschen Instituts für angewandtes Insolvenzrecht (siehe dazu INDat-Report 03_2008: »Was wen wie und warum qualifiziert«). »Der VID-Vorstand steht einem Rating-Modell grundsätzlich aufgeschlossen gegenüber«, erklärte der VID-Vorsitzende Dr. Siegfried Beck. Man sei jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass das vorliegende Rating-Modell noch nicht ausgereift sei und noch »erhebliche wissenschaftliche Arbeit« geleistet werden müsse. Derzeit finden ein wissenschaftlicher Austausch und Gespräche zwischen dem vom VID beauftragten Münchener Statistiker Prof. Dr. Helmut Küchenhoff und dem DIAI statt. Ergebnisse dieses Dialogs liegen bislang öffentlich noch nicht vor. Die Grundidee, einmal mit Verfahrenskennzahlen die Qualität des Verwaltererfolgs verlässlich messen und belastbar vergleichen zu können, wird von vielen skeptisch beurteilt, da sich die Verwaltertätigkeit ebenso wie Unternehmer- oder Managerhandeln nicht durch noch so ausgefeilte Statistikprogramme messen lässt. Man zweifelt aber vor allem an der praktischen Umsetzung, die den VID nach dem jetzigen Stand und den bislang gewährten Einblicken in das Modell des DIAI nicht überzeugt. Zukünftig wird auch die Europäische Dienstleistungsrichtlinie (DL-RL) zu beachten sein, wonach Zertifizierungen nur durch unabhängige und akkreditierte Einrichtungen erfolgen dürfen.



ISO soll Verwalter selektieren



Mit der Verpflichtung auf das »anerkannte und anspruchsvolle QMS« ISO 9001 wolle man »die Spreu vom Weizen« trennen, erklärt der VID. Es solle eine Abgrenzung von den zirka 1400 Verwaltern in Deutschland erreicht werden, die diese Ansprüche nicht erfüllen und diesen Beruf teilweise nur nebenher ausüben. Für einige Verwalterbüros wird die Erfüllung dieser Norm sicherlich Probleme bereiten, vor allem, wenn noch weitere Prüfkriterien, Normen und Standards dazukommen und einmal verlässlich mit Verfahrenskennzahlen auf den Verwaltererfolg geschlossen werden kann. Um für die erste Hürde gewappnet zu sein und sie problemlos zu meistern, hat der VID in einer Workshop-Reihe in sechs Städten die Themen QMS und Zertifizierung nach ISO 9001 ausführlich erläutert, wobei seit Oktober die Norm DIN EN ISO 9001:2008 heißt, was aber nur eine Änderung der Bezeichnung und nicht des Inhalts bedeutet. Zertifiziert werden die Abläufe im Insolvenzverwalterbüro im Hinblick auf eine optimierte und zielgerichtete Verfahrensbearbeitung. Vorher wird ein QMS implementiert, das die Abläufe und die Organisation im Büro darstellt, steuert und kontrolliert. Zusammengefasst soll das QMS in einem etwa 20 bis 50-seitigen Handbuch und anwenderfreundlich im Intranet der Kanzlei installiert sein und die Leistungs-, Unterstützungs- und Führungsprozesse abbilden. Es soll für jeden Prozess – variierend je nach Kanzlei zwischen 45 und 250 Prozessen – Arbeitshilfen, Checklisten, Musteranschreiben und Vorlagen bereithalten.

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