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Titelthema | Peter Reuter | INDat Report 03_2008

Wer kann kaufen?
M&A-Beratung im Insolvenzverfahren

Köln. Scheinbar hoffnungslose Fälle vermarkten und für diese den passenden Käufer finden, das gehört zu den Aufgaben externer M&A-Berater, auf die Insolvenzverwalter in größeren Verfahren immer häufiger zurückgreifen. Sie managen einen strukturierten Investorenprozess, der in vielen Fällen nachweislich zu höheren Verkaufspreisen für insolvente Unternehmen und zu höherer Gläubigerbefriedigung geführt hat. Wer auf einen taktischen und gestalteten Investorenprozess verzichtet, kann viel Geld zu Lasten der Masse auf dem Tisch liegen lassen.

Investorensuche hat begonnen – Gespräche mit potenziellen Käufern laufen auf Hochtouren – Investor gefunden. Meldungen, die im Zusammenhang mit insolventen Unternehmen immer wieder auftauchen, um nicht zuletzt eine Bewegung in der Sache zu dokumentieren. Letztere Formulierung kommt seltener, erstere naturgegeben am häufigsten vor.

Die Investorensuche und die gezielte Ansprache potenzieller Käufer im Insolvenzverfahren haben sich in jüngster Zeit verändert. Wenn bei größeren Verfahren kurz nach der vorläufigen Bestellung externe Dienstleister eingeschaltet werden, dann sind es immer häufiger M&A-Berater, die eine aufwändige Käufersuche betreiben, die sich um den gesamten Globus erstrecken kann. Diese Spezialisten für Fusionen und Übernahmen agieren eher im Hintergrund, wenngleich ihr Kredo ein aggressives Verkaufen ist, das eine Wettbewerbsdynamik entfachen soll. Außerinsolvenzlich ist eine M&A-Begleitung selbstverständlich, im Insolvenzverfahren dagegen steckt sie noch in den Kinderschuhen. Größere Insolvenzverfahren, mit denen sich in der Regel externe M&A-Berater befassen, sind kriselnde Unternehmen mit mehr als zehn Millionen Euro Umsatz im Jahr oder mehr als 100 Mitarbeitern.

»Eine stark wachsende Nachfrage« stellt Burkhard Jung fest, Vorstandsvorsitzender der CMS Societät für Unternehmensberatung AG, die seit über 30 Jahren im Markt ist und bundesweit Insolvenzverwalter berät. »Aus unserer Sicht hängt es im Wesentlichen daran, dass Insolvenzverwalter zunehmend auch an der Qualität der Verwertung gemessen werden.« Auch Sönke Schulz, Geschäftsführer der Sigma Corporate Finance GmbH, und Dr. Andreas Fröhlich, Geschäftsführer der perspektiv GmbH, sehen die zunehmende Nachfrage nach ihren Diensten vor dem Hintergrund der Qualitätsdiskussion in der Verwalterschaft. Die Investorensuche lasse sich mit professionellen M&A-Beratern für Gläubiger, Banken und Gerichte transparenter darstellen, stellt Rüdiger Brill fest, Director der Corporate Finance Partners MidCap GmbH (CFP), die Insolvenzverwalter Dr. Sven-Holger Undritz mit der Investorensuche bei der Schieder Möbel Gruppe beauftragt hatte. Im Verkaufsprozess der Schieder-Tochter IMS/SEH-Gruppe mit über 3500 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 250 Millionen Euro erhielt in dem von der CFP initiierten und durchgeführten Verkaufsprozess nach einem »spannenden Bietergefecht« die Berggruen Holdings Ltd. den Zuschlag.

Über den zu Lasten der Masse vertretbaren Einsatz so mancher Dienstleister für Insolvenzverwalter lässt sich diskutieren, hingegen ist der Einsatz von M&A-Spezialisten, die wiederum größtenteils erfolgsabhängig honoriert werden, in besagten großen Verfahren nahezu unverzichtbar. »Wenn der Verwalter einen laufenden Betrieb hat und sich um das operative Geschäft kümmern muss, braucht er professionelle Partner, die den parallel laufenden Investorenprozess steuern«, sagt Dr. Bruno M. Kübler, der zurzeit Verwalter der PIN-Gruppe und des Flugzeugmotorenbauers Thielert ist. Bei Thielert meldeten sich über 40 Interessenten in den ersten Tagen. Das könne man nur mit externen Profis bewältigen. Eine personell professionell aufgestellte und vernetzte M&A-Abteilung in großen Verwalterkanzleien zu unterhalten, wenn lediglich in wenigen Fällen im Jahr diese Dienste in der vollen Breite genutzt werden, ist nicht vermittelbar. Daher betrachten es die meisten großen Verwalterkanzleien im Sinne maximaler Gläubigerbefriedigung für geboten, auf diese Unterstützung von außen zu setzen. Man schätzt den Markt der speziell auf Insolvenzverwalter ausgerichteten Distressed Mergers & Acquisitions, die die insolvenzrechtlichen Besonderheiten kennen, auf etwa eine Handvoll Dienstleister.

Als eine Art Anpassungsprozess betrachtet Hans-Joachim Ziems, Seniorpartner der Unternehmensberatung Ziems & Partner, diese Entwicklung hin zum M&A-Support. Ziems hat bei der Kirch Media GmbH & Co. KGaA den Verkaufsprozess in Zusammenarbeit mit UBS für rund 20 Tochtergesellschaften und Assets im Wert von 2,5 Milliarden Euro durchgeführt. »Potenzielle Investoren professionalisieren sich zunehmend bei Unternehmenskäufen aus der Insolvenz. Dieser Umstand zwingt Insolvenzverwalter dazu, sich ebenfalls zu professionalisieren.« Der Mehrwert für alle Beteiligten – höhere Kaufpreise, höhere Gläubigerbefriedigung, keine Zerschlagung des insolventen Unternehmens, Erhalt von Arbeitsplätzen – hat sich bis zu den Insolvenzgerichten herumgesprochen. »Die Erkenntnis, dass auf Insolvenzsituationen spezialisierte Beratung den Gläubigern einen zusätzlichen Wert schafft und für die veräußernden Unternehmen oder Unternehmensteile in der Regel zu tragfähigen Zukunftslösungen führt, hat sich mittlerweile im Markt fest etabliert«, bestätigt Dr. Adam Bolek, Managing Director der Rothschild GmbH.

Die Sigma Corporate Finance GmbH zählt den Verkaufsprozess der Strecker Getränke-Gruppe zu ihren Referenzen, für die sie Bernsau & Lautenbach Rechtsanwälte und Papst Lorenz + Partner Rechtsanwälte mit der Investorensuche beauftragt hatten. Für einen polnischen Hersteller von Elektronikkomponenten hat die CMS AG den M&A-Prozess im Auftrag von Insolvenzverwalter Dr. Wolfgang Schröder erfolgreich gesteuert. Regelmäßig mit der perspektiv GmbH arbeiten die Insolvenzverwalterkanzleien Jaffé, Klaas und Leonhardt & Westhelle zusammen. Als Startpunkt der Zusammenarbeit von Insolvenzverwaltern mit spezialisierten M&A-Beratern bei Verkäufen aus der Insolvenz kann sicherlich 1996 die Bremer Vulkan, eine der größten Firmenkonkurse der Nachkriegszeit, betrachtet werden. »Hier war der Einsatz von M&A-Beratern bei Insolvenzen ein absolutes Novum«, sagt Dr. Adam Bolek. »Wir berieten damals Dr. Jobst Wellensiek beim Verkauf der Bremer Vulkan-Tochter STN Atlas an ein Konsortium aus British Aerospace und Rheinmetall sowie Friedrich Wilhelm Metzeler bei der Veräußerung der Dörries Scharmann Technologie, ebenfalls eine Bremer Vulkan-Tochter, an die Deutsche Beteiligungs AG.« Man habe in den vergangenen zehn Jahren bei über 20 Transaktionen aus der Insolvenz heraus beraten. In jüngster Zeit waren es für den Insolvenzverwalter Dr. Jobst Wellensiek der Verkauf der BBS Kraftfahrzeugtechnik AG und für Verwalter Thomas Oberle die Veräußerung der BBS Motorsport & Engineering GmbH sowie für Verwalter Tobias Hoefer die ATS Automobilzuliefer-Gruppe. Beim ostdeutschen Werkzeugmaschinenbauer Heckert schaltete Dr. Bruno M. Kübler 1998 die M&A-Abteilung von Roland Berger ein, die monatelang den Verkaufsprozess begleitete. Die eigentlichen Verkaufsverhandlungen mit dem Schweizer Investor Starrag führte der Verwalter selbst, aber die Vorbereitung und Begleitung durch den M&A-Berater möchte er nicht missen.

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