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Titelthema | INDat Report 01_2008

Gut gewählt?
Banken fordern Mitsprache bei der Verwalterbestellung

Hamburg/München/Frankfurt. Bisher formulierten es Bankenvertreter eher zurückhaltend oder hielten die Gedanken unter Verschluss wie das Thesenpapier eines Arbeitskreises der Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD), das den Ausbau der Gläubigerautonomie fordert, aber bislang nicht veröffentlicht wurde. Deutlichere Worte fand hingegen Christian Seide von der BayernLB auf dem Deutschen Insolvenzverwalterkongress, der unumwunden forderte, dass institutionelle
Gläubiger mehr Mitsprache bei der Auswahl und Bestellung des Insolvenzverwalters erhalten sollten. Peter Reuter fragte die Banksyndizi Dr. Thomas Ingelmann, Gerhard Schmalzbauer (HypoVereinsbank), Reinhard Voß (Commerzbank AG) und Hans Joachim Weidtmann (Dresdner Bank AG), wie sie das Gebot der Gläubigerautonomie verstehen.

INDat-Report: Insolvenzverwalter und Insolvenzgerichte beklagen, dass die Gläubigerbeteiligung »zu wünschen übrig« lasse und mit Fortschreiten des Insolvenzverfahrens mehr und mehr zurückgehe. Manche formulieren es noch drastischer und sagen, die Gläubigerausschüsse versagten in der Regel … Ingelmann: Aus der Praxis ist mir dieser Vorwurf unbekannt. Ganz im Gegenteil: Durch eine konzentrierte Zusammenarbeit zwischen Insolvenzverwaltung und Gläubigerausschuss werden im Interesse der Gesamtgläubigerschaft regelmäßig gute Ergebnisse erzielt. Um die verantwortungsvolle Arbeit der Beteiligten einschätzen zu können, könnte es von Vorteil sein, wenn Richter und/oder Rechtspfleger gelegentlich an solchen Sitzungen teilnähmen.
Schmalzbauer: Dass die Gläubigerbeteiligung zu wünschen übrig lässt, können wir für unser Haus keinesfalls bestätigen.

Um unseren wirtschaftlichen Schaden zu minimieren, halten wir es für absolut erforderlich, uns aktiv in den Verfahrensablauf einzubringen und die Entwicklung gegebenenfalls auch mitzugestalten. Mit Fortschreiten des Verfahrens sind üblicherweise die wesentlichen Entscheidungen getroffen und umgesetzt, sodass die Beteiligung der Gläubiger nicht mehr in dem Maße erforderlich ist wie zu Beginn des Verfahrens. Mit dem Vorwurf des Versagens des Gläubigerauschusses wurden wir bisher nicht konfrontiert.

Voß: Ich habe bisher nur positive Erfahrungen mit und in den Gläubigerausschüssen, wie zum Beispiel bei der Babcock Borsig AG und der Kirch Media AG, gemacht. Durch professionelle Mitglieder werden bessere Ergebnisse für die Gläubigergesamtheit erreicht, und der Verwalter kann das Verfahren wesentlich zügiger abwickeln.

Weidtmann: Den Vorwurf teile ich so nicht. Meiner Meinung nach können Gläubigerausschüsse durchaus zu einer Beschleunigung von Verfahren und Optimierungen für alle Gläubiger beitragen. Das setzt voraus, dass die Ausschüsse kompetent besetzt sind und von den Verwaltern auch als »Sparringspartner « und Unterstützer gesehen werden. Unser Haus hat bislang überwiegend positive Erfahrungen mit und in Gläubigerausschüssen gemacht. Insofern kann ich hierzu eine klare
Empfehlung aussprechen.

Mehr Gläubigerautonomie gefordert Insgeheim sprach er das aus, was viele Banker bislang dachten. Als Christian Seide, Leiter des Geschäftsbereichs Credit Consult der BayernLB, auf dem 2. Deutschen Insolvenzverwalterkongress in München am 3.11. 2007 vor über 400 Teilnehmern sein Verständnis von Gläubigerautonomie erläuterte, führte das zu einer angeregten Diskussion (siehe INDat-Report 08_2007, S. 25 sowie der Vortrag des Referenten »Die Sicht eines Bankers auf die Insolvenzszene« auf http://www.vid.de/vid/pdf/Seide_VIDEndversion.pdf).

Die Ausführungen betrafen die Einbindung der Gläubiger sowohl bei der Aufnahme in die Vorauswahlliste als auch bei der Bestellung im Einzelfall. Christian Seide schlug regelmäßige informelle Treffen zwischen Rechtspflegern, Richtern und Gläubigern vor, die als Erfahrungsaustausch dem Richter Erkenntnisse für seine Entscheidung über Listing oder Delisting bringen sollten.

Für die Bestellung im Einzelfall nannte Seide ein abgestuftes Maßnahmenbündel, das er aus den Ergebnissen der Uhlenbruck-Kommission abgeleitet habe. Dieses beinhaltet das Anhörungs- und Vorschlagsrecht einzelner institutioneller Gläubiger sowie das Recht zur Auswahl des Insolvenzverwalters durch die Gremien der Gläubigerautonomie vorläufiger und vor-vorläufiger Gläubigerausschuss. Auf Anfrage teilte Christian Seide mit, er gehe davon aus, dass seine Ausführungen die Meinung zumindest des wesentlichen Teils der institutionellen Gläubiger widerspiegeln. »Diese Einschätzung wird auch dadurch dokumentiert, dass das feed-back der institutionellen Gläubiger auf den Vortrag sehr positiv war.«

(…)

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