das Magazin für  Insolvenzverwalter, Gerichte, Dienstleister, Wissenschaft, Banken, Versicherungen und alle, die am Thema Insolvenz interessiert sind
Ein Produkt der » Verlag INDat GmbH

Titelthema | Peter Reuter und Sascha Woltersdorf | INDat Report 08_2006

Diplomatisch, präzise und geschickt:
Frauen als Insolvenzverwalter

Köln. In der Statistik der »Top 300-Verwalter« machen Frauen nur fünf Prozent der Insolvenzverwalter aus. Insgesamt unter den etwa 1750 Insolvenzverwaltern sind 14 Prozent weiblich. Jahr für Jahr ist eine leichte Zunahme der Frauenquote festzustellen. Insolvenzverwalterinnen werden auch etwas häufiger von den Gerichten in IN-Verfahren bestellt. Doch Großverfahren traut die mehrheitlich männliche Richterschaft ihnen anscheinend immer noch nicht zu.

Man solle sich bloß nichts vormachen, meint RAin und Insolvenzverwalterin Dr. Bettina E. Breitenbücher. »Die Insolvenzverwaltung ist nach wie vor noch eine von Männern dominierte Domäne, wohl auch aus historischen Gründen.« Man sehe das an der inneren Struktur der Kanzleien, sagt die Geschäftsführende Gesellschafterin der Sozietät KÜBLER. »Oft bleiben die wenigen Insolvenzverwalterstellen für männliche Kollegen reserviert, Rechtsanwältinnen werden eher im Bereich der Sachbearbeitung eingesetzt. Auch etliche Richter denken noch traditionell.« Sie trauten den Frauen die kompetente Bearbeitung nicht im gleichen Maße zu. In ihrer Kanzlei seien immerhin unter den 17 Insolvenzverwaltern drei Frauen, sagt die 40-Jährige, die den Betrieb einer der größten Messebaugesellschaften Deutschlands anderthalb Jahre fortgeführt hat und das im Insolvenzverfahren restrukturierte Unternehmen verkaufen konnte. Insolvenzverwalterin und RAin Dr. Christine Berg-Grünenwald (Sozius bei Füchsl Jaeger Berg-Grünenwald), die von 2004 bis 2005 eine international ausgerichtete Spezialmaschinenfabrik in München fortführte und an einen Investor veräußerte, erkennt in der geringen Frauenquote das Spiegelbild der Wirtschaft, schließlich sei die Tätigkeit als Insolvenzverwalter auch überwiegend eine Management- und Führungsaufgabe. »Frauen sind allgemein in der Unternehmensführung und als Rechtsberater im Bereich des Wirtschaftsrechts unterdurchschnittlich vertreten. In dieser Richtung ist das Bewusstsein geprägt, sodass sie selten durch Vorbilder motiviert werden.« RAin und Insolvenzverwalterin Bettina Schmudde (Partner bei White & Case Insolvenz GbR), die die insolvente Sächsische Porzellan-Manufaktur Dresden GmbH erfolgreich abgewickelt hat, bestätigt die Parallele zu den wenig mit Frauen besetzten Führungspositionen. »Unsere Tätigkeit erfordert eine besondere Führungsstärke, die Frauen oft nicht zugetraut wird bzw. die sie sich teilweise selbst nicht zutrauen.«
Auch RAin Ulrike Hoge-Peters (Partner bei Walter & Walter), der die übertragende Sanierung im Verfahren der German Carbon Teterow GmbH gelungen ist, und Dr. Petra Hilgers (Partner bei Hilgers & Partner), die derzeit den Insolvenzplan für die Sanierung eines Berliner Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes erstellt, unterstreichen die Einschätzung ihrer Kolleginnen. »Frauen sind vielfach der Ansicht, dass sie der raschen Entscheidungskompetenz nicht gewachsen sind«, sagt RAin Cornelia Mönert (Kanzlei Mönert). »Nach meiner bisherigen Erfahrung leiden Männer insoweit keineswegs unter Selbstzweifeln oder der Unterschätzung der eigenen Möglichkeiten«, sagt die Insolvenzverwalterin, die kürzlich im Rahmen einer übertragenden Sanierung 140 Arbeitsplätze dauerhaft erhalten hat.

(…)

Diese Ausgabe bestellen » Bestellformular (PDF)

Ihr Draht zu uns

Sie wollen ein Probeheft, ein Abo oder ein Handbuch bestellen?

Ihr Unternehmen möchte eine Anzeige in einer unserer Publikationen schalten?

Schreiben Sie uns eine Mail
kundenservice@indat-report.de