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Titelthema | INDat Report 05_2006

DAV und VID: Tauziehen

für eine gemeinsame Sache

Berlin/München. Vieles ist derzeit im Umbruch. Nicht nur die InsO befindet sich im Zustand einer Dauerbaustelle, auch aktuelle Entscheidungen der obersten Gerichte werden den Markt der Insolvenzverwalter verändern. Rückläufige Unternehmensinsolvenzen beschäftigen viele Sozietäten, und ein öffentliches Bewusstsein über die Chancen des Insolvenzverfahrens ist immer noch zu wenig ausgeprägt. Peter Reuter sprach mit dem Vorsitzenden der DAV-Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Insolvenzrecht und Sanierung Horst Piepenburg und dem VID-Vorsitzenden Dr. Siegfried Beck über Etappenziele, Initiativen und das derzeit dringlichste Anliegen der beiden Verbände. Wenngleich DAV und VID am gleichen Strang ziehen, so verfolgen sie dennoch hin und wieder unterschiedliche Ansätze und Ziele.

INDat-Report: Der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) hat sich – zuerst unter dem Bezeichnung AID – von der Arbeitsgemeinschaft im Deutschen Anwaltverein (DAV) abgespalten, sodass heute mit dem VID und der Arbeitsgemeinschaft Insolvenzrecht und Sanierung im DAV (ARGE) zwei Verbände für Insolvenzverwalter existieren. Hätte aus heutiger Sicht ein Zusammenschluss nicht eine größere Wirkung im öffentlichen Auftritt?

Dr. Beck: Von einer Abspaltung kann gar keine Rede sein. Beim VID – früher AID – handelte es sich um eine Neugründung. Anlass der Gründung war, dass sich die überwiegende Mehrheit der seinerzeit in der ARGE des DAV organisierten professionell tätigen Insolvenzverwalter durch eine Mitgliedschaft in einer reinen Rechtsanwaltsorganisation nicht mehr umfassend repräsentiert sahen. Insofern handelt es sich bei VID und ARGE auch nicht um „zwei Verbände für Insolvenzverwalter“. Der VID versteht sich als der Berufsverband der Insolvenzverwalter, während sich nach meinem Verständnis die ARGE als Interessenvertreter der Rechtsanwälte definiert. Zwar ergeben sich personelle Überschneidungen, da die überwiegende Anzahl der Insolvenzverwalter gleichzeitig den Beruf des Rechtsanwalts ausübt. Auf der anderen Seite hat sich die Tätigkeit des Insolvenzverwalters zum eigenständigen, verfassungsrechtlich geschützten Beruf verfestigt. Ein Zusammenschluss des VID und der ARGE ist schon allein aus diesem Grund weder möglich noch sinnvoll.

Piepenburg: Eine einheitliche Organisation und Interessenvertretung hat immer größeren Einfluss und kann stärkere Wirkungen erzielen. Die Interessenausrichtung der beiden Verbände ist allerdings durchaus unterschiedlich.

INDat-Report: Sind Sie mit der öffentlichen Wahrnehmung Ihrer Verbände und Interessen zufrieden?

Piepenburg: Zufriedenheit führt zur Lethargie, es gibt immer etwas zu verbessern. Aber die Wahrnehmung von Insolvenzrecht und Sanierung im öffentlichen Bewusstsein hat sicherlich etwas mit der offensiven Arbeit der Arbeitsgemeinschaft zu tun.

Dr. Beck: Der AID hat sich bis zu seiner Umwandlung in den VID als interne Arbeitsgemeinschaft der Rechtsanwalts-Insolvenzverwalter gesehen. Öffentliche Wahrnehmung wurde gar nicht angestrebt; sie wurde geradezu vermieden. Der VID ist nun erst seit anderthalb Jahren aktiv. Da liegt es auf der Hand, dass man sich in der öffentlichen Wahrnehmung noch nicht ausreichend platzieren kann. Wir stehen erst am Anfang unserer Öffentlichkeitsarbeit, kommen aber gut voran. Ganz anders ist die Lage der Interessenvertretung gegenüber Fachgerichten und Politik. Da ist der VID eine feste Größe, deren Meinung und Rat gefragt ist.

INDat-Report: Verfolgen Sie nicht größtenteils die gleichen Ziele und betrachten Sie sich somit als konkurrierende Verbände?

Piepenburg: Die Arbeitsgemeinschaft versteht sich in erster Linie als Zusammenschluss aller am Insolvenzrecht und der Sanierung interessierten Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte. Unser Mitgliederkreis setzt sich neben Insolvenzverwaltern zusammen aus Beratern von Unternehmen, gesetzlichen Vertretern, Gesellschaftern, vor allem Gläubigern, aber auch reinen Sanierern, die nicht als Insolvenzverwalter tätig sind. Insofern ist unsere Mitgliederschaft und damit auch unsere Interessenvertretung breiter angelegt. Unser Hauptanliegen war und ist es, die Krise von Unternehmen als Chance für einen Neustart und hierbei das Insolvenzverfahren als eine natüliche Sanierungsalternative zu begreifen. Hierbei war der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft immer bemüht, das Insolvenzrecht aus den Hinterzimmern herauszuholen und eine offene Kommunikation mit allen an Insolvenzverfahren Beteiligten zu pflegen. Dies war auch der Grund, den Deutschen Insolvenzrechtstag als Forum für all diese Beteiligten anzubieten. Der Austausch von Informationen und Kontakten ist auch weiterhin unser Hauptziel. Dies können wir verbandsintern im Mitgliederkreis organisieren und zusätzlich über die Organisationsform Deutscher Insolvenzrechtstag nach außen tragen. Größtenteils gleiche Ziele gibt es bei allen Beteiligten – Unternehmen, Gläubiger und Insolvenzverwalter – in Bezug auf die Fortführung und Sanierung von Unternehmen. Insofern gibt es eine feste Interessensgrundlage, die allerdings davon profitiert, dass mit dem VID eine spezielle Interessenwahrung für Insolvenzverwalter möglich ist, während die Arbeitsgemeinschaft die Interessen und Ziele auch der übrigen Beteiligten berücksichtigen kann.

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