das Magazin für  Insolvenzverwalter, Gerichte, Dienstleister, Wissenschaft, Banken, Versicherungen und alle, die am Thema Insolvenz interessiert sind
Ein Produkt der » Verlag INDat GmbH

Titelthema | Peter Reuter | INDat Report 04_2012

Auf Einkaufstour bei Insolvenzen:

Investoren aus China und Indien

Köln. Asiatische Investoren sind auf dem Vormarsch. Immer häufiger treten in M&A-Prozessen größerer insolventer Unternehmen Interessenten aus China, aber auch aus Indien auf – und setzen sich im Bieterwettbewerb durch: zum Beispiel bei der Saargummi-Gruppe, der Sellner-Gruppe, bei Solon oder Agenda Glas. Auch bei Manroland war ein chinesischer Finanzier für die komplette Übernahme im Gespräch. Insolvenzverwalter und beratende Wirtschaftskanzleien sprechen von einem Trend, der sich noch verstärken wird. Die Einkaufstour von vor allem chinesischen Kaufinteressenten zielt nicht nur auf die Automotive-Branche, sondern auch auf andere zukunftsweisende Technologien und sog. Hidden Champions. Dabei können die regulatorischen Zwänge in China bei den Verhandlungen zeitraubend sein, und der Insolvenzverwalter muss Aspekte des deutschen Insolvenzrechts geduldig erläutern, wobei asiatische Investoren inzwischen häufiger von großen Wirtschaftskanzleien beraten werden und daher immer professioneller auftreten.

Der Ruf chinesischer Investoren war lange Zeit nicht der beste. Man befürchtete in Deutschland durch Übernahmen aus Fernost sowohl einen Technologieabfluss als auch einen Abbau von Arbeitsplätzen. Doch das Bild hat sich gewandelt. »Vor allem die letzten erfolgreichen Transaktionen haben gezeigt, dass chinesische Investoren durch Akquisitionen in Europa ein nachhaltiges strategisches Konzept verfolgen«, sagt RA Dr. Thomas Gilles, der das China Desk der Rechtsanwaltskanzlei Baker & McKenzie leitet und einige Unternehmenskäufe aus der Insolvenz beraten hat, zum Beispiel den chinesischen Investor beim Erwerb der Saargummi-Gruppe. »Durch den Erwerb deutscher oder europäischer Unternehmen soll häufig ein Brückenkopf nach Europa geschlagen werden, um die Stellung chinesischer Unternehmen auf dem Weltmarkt zu verbessern.« Dies habe dazu beigetragen, dass die Berührungsängste gegenüber chinesischen Investoren spürbar nachgelassen haben.

Etwas skeptischer betrachtet Insolvenzverwalter RA Rüdiger Wienberg (hww wienberg wilhelm) die Strategie asiatischer Finanziers. Er hat Anfang März dieses Jahres das insolvente Berliner Solarmodulunternehmen Solon an den von Indern geführten Konzern Microsol International verkauft. »Es ist eine allgemeine Tendenz festzustellen, dass die Asiaten hier in Europa das IP erwerben, allenfalls eine Forschungsproduktion in Europa belassen, um weiteres Know-how zu generieren und die arbeitsplatzträchtige Massenproduktion durch den Abbau der Produktionsanlagen hier und den Aufbau in Asien in heimische, kostengünstige Gefilde zu verlegen.« Das betreffe vor allem die rezessive Solarindustrie. Auch Insolvenzverwalter RA Udo Gröner (Heimes & Müller), der den Automobilzulieferer Saargummi zusammen mit dem Verwalter RA Jean-Olivier Boghossian (Schultze & Braun) an den chinesischen Staatskonzern Chongqing Light Industry & Textile Holding (CQLT) veräußerte, teilt diese Skepsis. »Mitentscheidend ist, wirtschaftlich günstig einen Wissens- und Know-how-Transfer nach China durchführen zu können. Mitentscheidend dürfte aber auch sein, dass insbesondere im Automotive-Bereich ein chinesischer Industrieller Zutritt zu den in Europa tätigen Unternehmen nur über ein Unternehmen wird herbeiführen können, das seinen Sitz und nach Möglichkeit auch eine Produktionsstätte in Europa unterhält.«

Dass asiatische Investoren im deutschen M&A-Markt auf dem Vormarsch und fast schon als feste Größe zu bezeichnen sind, stellt RA Dr. Hartmut Krause, M&A-Partner der Kanzlei Allen & Overy, fest. Vor allem in den letzten Jahren hätten sich die Intensitäten – ob nun kriselnde Unternehmen oder gesunde wie der schwäbische Betonpumpenhersteller Putzmeister – verstärkt. Auch Insolvenzverwalter RA Prof. Dr. Lucas F. Flöther (Flöther & Wissing) registriert ein zunehmendes Interesse aus Asien, da es um das Know-how der deutschen Unternehmen gehe, das exportiert werden solle. Er verkaufte im Mai 2011 die insolvente Agenda Glas AG in Gardelegen (Sachsen-Anhalt) an die indische Hindus­than National Glass & Industries Ltd., die sämtliche 150 Arbeitsplätze erhalten und die Kapazitäten des Standortes mit weiteren Investitionen stärken will.

(…)

Diese Ausgabe bestellen » Bestellformular (PDF)

Ihr Draht zu uns

Sie wollen ein Probeheft, ein Abo oder ein Handbuch bestellen?

Ihr Unternehmen möchte eine Anzeige in einer unserer Publikationen schalten?

Schreiben Sie uns eine Mail
kundenservice@indat-report.de