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Editorial | Peter Reuter | INDat Report 05_2020 | Juli 2020

Die Insolvenzblase wächst

Wie sich die Hauptversammlung der Lufthansa AG zum Stabilisierungspaket positioniert und ob der Kranich ein insolvenzrechtliches Schutzschirmverfahren beantragt, das stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Auch nicht, wie es mit der Wirecard AG weitergeht, deren Vorstand am 22.06.2020 mitteilte, dass die ausgewiesenen Bankguthaben auf Treuhandkonten i. H. v. insgesamt 1,9  Mrd. Euro »mit überwiegender Wahrscheinlichkeit« nicht bestehen.
Große Schieflagen und prominente Schutzschirme wie Galeria Karstadt Kaufhof dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Insolvenzen stark rückläufig sind. Diesen Trend erklärt man sich u. a. mit der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und dem (bislang bis 28.06.2020 geltenden) Ruhen der Gläubigeranträge. Ein großes Insolvenzgericht z. B. verzeichnet bei den IN-Anträgen im April und Mai einen Rückgang um 40 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die deutschlandweiten vorläufigen Eröffnungen über Personen- und Kapitalgesellschaften gingen von Mitte März bis Mitte Juni um 20 % zurück. Vergegenwärtigt man sich die Insolvenz­zahlen bei der Finanzkrise, dann klafft eine Lücke zwischen 2009 und heute. Und seinerzeit waren deutlich weniger Branchen und Unternehmen betroffen. Was hier wächst, ist eine ganz große Blase.
Sobald die Antragspflicht zurückkehrt, rechnet man mit einem deutlichen Zuwachs der Insolvenzen. Wie dieses Szenario abmildern? Kürzerer Prognosezeitraum, Abschaffung des zwingenden Insolvenzgrunds der Überschuldung, sog. Winterschlaf-Modelle sowie präventive Restrukturierung lauten Vorschläge aus Praxis, Politik und Wirtschaft. Als schlechtere Alternative erscheint die verlängerte Aussetzung der Antragspflicht bis Ende März 2021. Mit der Aussetzung wollte man Zeit gewinnen, bis die Hilfspakete greifen. Diese Aufgabe scheint erfüllt. Nur Zeit zu gewinnen, hätte eine bedenkliche, aufstauende Wirkung. So sahen es auch Praktiker auf dem Mannheimer Insolvenzrechtstag online: Rückkehr zum zwingenden Insolvenzgrund der Zahlungsunfähigkeit am 01.10.2020, aber wegen der vorherrschenden Prognoseun­sicherheit nicht zu dem der Überschuldung.

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