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Editorial | Peter Reuter | INDat Report 02_2019 | März 2019

Die Sache mit dem Fell des Bären

Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor er erlegt ist. Dieses Sprichwort versteht sinngemäß wohl jeder, auch wenn man es in den meisten Fällen bloß nicht wörtlich nehmen darf, auch nicht in diesem Fall.
Kaum liegt der finale Trilog-Text des RLE zum präventiven Restrukturierungs­rahmen vor, häufen sich zum einen verständlicherweise bei der großzügig eingeräumten nationalen Umsetzung die Wünsche der einzelnen Lobbyisten. Zum anderen werden Begrifflichkeiten schon so zurechtgerückt, wie es dem einzelnen Betrachter für seinen Standpunkt passt.
Der »Practitioner in the Field of Restructuring« (PIFOR) wird bereits als »Restrukturierungsverwalter« übersetzt, obwohl noch keine offizielle Übersetzung des englischen Originaltextes existiert. Der EU-Übersetzungsvorschlag liegt nämlich erst seit Kurzem dem BMJV zur Überprüfung vor. Somit steht das deutsche Pendant zum PIFOR noch gar nicht fest.
Das Wort »Verwalter« aber schon untergebracht, erweckt es den Anschein, als ob der PIFOR nur aus dem Kreis der gelisteten Verwalter kommen darf. Allerdings sind auch Konstella­tionen vorstellbar, bei denen die Gläubiger einvernehmlich eine Person ihres Vertrauens bestimmen. Daher sprechen Berater lieber vom Mediator. Restrukturierungskoordinator klingt ebenfalls sicherlich gut.
Auch die Diskussion zum Berufsrecht für Verwalter/Sachwalter erinnert an das Sprichwort mit dem Bärenfell. Für einige Insolvenzverwalter scheint klar zu sein, dass der Eigenverwalter in ein künftiges Berufsrecht einzugemeinden ist. Dass dessen Tätigkeit auch nicht zuletzt wegen der bedeutenden BGH-Entscheidung zur Haftung der Geschäftsleitungsorgane in der Eigenverwaltung analog §§ 60, 61 InsO der des Verwalters ziemlich ähnlich ist, kann kaum bestritten werden.
Doch auch nicht als Verwalter tätigen Beratern in ihrer Funktion als Eigenverwalter das Berufsrecht für Verwalter überstülpen zu wollen, klingt schon recht ambitioniert.
Aber Bärenfell hin oder her, schließlich gehört das Klappern bekanntermaßen auch zum Handwerk der Restrukturierungs- und Insolvenzbranche. Warum soll es daher vor der Lobbyarbeit Halt machen?

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