das Magazin für  Insolvenzverwalter, Gerichte, Dienstleister, Wissenschaft, Banken, Versicherungen und alle, die am Thema Insolvenz interessiert sind
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Editorial | Peter Reuter | INDat Report 04_2018 | Juni 2018

Wer zahlt die Zeche?

Regelungen zur Berufszulassung, -ausübung und -aufsicht der Insolvenzverwalter stehen nicht nur auf dem Tableau des Koalitionsvertrags, auch der Brüsseler Richtlinienentwurf macht Vorgaben, die in diese Richtung weisen. Nach der Sommerpause geht diese Diskussion in eine entscheidende Runde.
Die Debatte beschäftigt sich aber auch mit allgemeinen Grundsätzen ordnungsgemäßer Insolvenzverwaltung, die über das Kodifizierbare hinausgehen. Zu diesen Soft Skills gehören Verhaltensregeln wie Fingerspitzengefühl, Augenmaß, Angemessenheit und Verhältnismäßigkeit bei der Verwaltertätigkeit. ­­Der eine oder andere Verwalter lässt diese Eigenschaften vermissen. Das zeigt sich u. a. bei der Geltendmachung insolvenzrechtlicher Ansprüche, sei es bei der Insolvenzanfechtung oder bei der Organhaftung, wenn z. B. ein saftiger Forderungszuschlag eingerechnet wird, um in einem Vergleich recht gut dazustehen. Oder Ansprüche werden unsubstanziiert erhoben.
Dass D&O-Versicherungen das Klagelied anstimmen, die Verwalter würden deutlich verstärkt Ansprüche aus Organ­haftung geltend machen, ist bis auf die angesprochenen Extremfälle schon erstaunlich. Zum einen haben Assekuranzen D&O-Versicherungen massiv beworben, daher sind sie heute State of the Art. Zum anderen ist es naheliegend, dass dort, wo eine Deckung schützt, Verwalter berechtigte Ansprüche konsequent verfolgen müssen. Im Gros der Fälle, das gehört auch zur Wahrheit, bleibt die Gläubigergemeinschaft ohnehin auf hohen Ansprüchen aus Haftungen sitzen. Fast banal zu erwähnen, aber es stimmt unangefochten:
Ein rechtzeitiger Antrag ohne Verschleppungssymptome bewahrt vor Haftungsansprüchen. Wenn die versicherten Organe das Risiko nicht im Auge behalten, dann machen das die Versicherer. Sie bedienen sich auch Algorithmen, um insolvenzbedrohte Kunden aufzu­spüren. Wenn durch diese Warnsignale der Insolvenzantrag früher erfolgen würde, gut für alle. Wenn dadurch aber nur die Versicherungspolice eine »Anpassung« erfährt, kann es nüchtern nur heißen: Rechnung ohne
den Wirt gemacht.


P. S.: Beim Weiterblättern stoßen Sie auf einige Veränder­ungen im Magazin. Zum Beispiel stehen Nachrichten auch auf der letzten Seite und die sehr nachgefragten Statistiken nach Umsätzen sind mitten im Heft platziert.

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