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Editorial | Peter Reuter | INDat Report 10_2017 | Januar 2018

Allerlei Gerichte

Ein Streit schien vorprogrammiert. Zwei Hauptinsolvenzverfahren nach EuInsVO, angeordnet vom AG Charlottenburg und dem Landesgericht Korneuburg, ein Berliner LG-Beschluss und eine Rechtsbeschwerde vor dem BGH in Sachen Niki: Nach anfänglichem Säbelrasseln beschlossen der vorläufige Verwalter Lucas Flöther und die Masseverwalterin Ulla Reisch zu kooperieren, wenngleich es ein Florettduell blieb. Denn dass der österreichische Gläubigerausschuss für Laudamotion votierte und sich somit der polternde Niki Lauda, der im deutschen Verfahren keine Beachtung gefunden hatte, gegen den »deutschen« Bestbieter IAG durchgesetzt hat, wird Flöther sicherlich aufstoßen. Aber wie heißt es so schön: Der Gläubigerwille zählt.
Auch das Hamburger AG macht von sich reden. Obwohl eine interne Angelegenheit, generiert sie größtes externes Aufsehen. Frank Frind nicht mehr als Insolvenzrichter einzusetzen, löste viele Reaktionen aus. Rein rechtlich ist das letzte Wort nicht gesprochen, der Ball liegt jetzt beim möglichen Kläger.
Als akribischer Analytiker und streitbarer Impulsgeber hat Frind das Insolvenzrecht und besonders das ESUG bereichert, und sei es nur, dass er als Erster bestimmte Fragen aufgeworfen hat. Die ZInsO und ihr Schriftführer müssten ihm für seinen Input sehr dankbar sein, der INDat Report ist es für seine zahlreichen Standpunkte, wenngleich er dem Verfasser mit der Veröffentlichung Holzers kritischem Beitrag zu den gerichtlichen Leitlinien (INDat Report 07_2017) »einen schweren, nicht wieder gutzumachenden handwerklichen Fehler« attestiert hat. Das kann passieren.
Wenn Frind nun nicht so getroffen wäre, würde er sich die aktuelle ESUG-Studie von Roland Berger und HgGUR vornehmen, nach der sich nur 17 % für eine baldige Reform aussprechen, und sie eines Besseren belehren. Für 47 % der Befragten sei die Stärkung der Gläubigerinteressen nicht erreicht – hier würde Frind vielleicht kontern: Dann sollen sie sich stärker einbringen.
Aber das soll kein Nachruf werden, wir gehen einmal davon aus, dass Frind mindestens als wertvoller Vordenker und pointierter Publizist sehr präsent bleiben wird.

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