INDat-Report 07-2005

Schwarze Schafe gibt es überall

Die Vergabepraxis der Insolvenzgerichte wird in vielen Bereichen immer transparenter

von Jens Hertling

KÖLN. Intransparenz, ungerechte Vergabepraxis bei der Bestellung der Insolvenzverwalter und letztendlich auch noch der Vorwurf der Korruption – die deutschen Insolvenzrichter sind in den Medien unter Druck geraten. Doch ist das wirklich so? INDat-Report hat an Hand seiner Datenbank fünf große und repräsentative deutsche Insolvenzgerichte herausgegriffen und die Bestellpraxis für Unternehmensinsolvenzen für das erste Halbjahr 2000 mit dem gleichen Zeitraum in diesem Jahr verglichen. Bei der Auswertung der Statistik kam die Redaktion des INDat-Report zu erstaunlichen Ergebnissen.

Hamburg 50 Prozent – München 48,6 Prozent – Köln 36,4 Prozent – Dresden 26,7 Prozent – selbst das Insolvenzgericht Berlin-Charlottenburg hat einen Verwalteraustausch von 42,1 Prozent in den vergangenen fünf Jahren durchgemacht. Eine weitere Vergleichsmöglichkeit bieten die Top 30-Sozietäten, die INDat-Report in jeder Ausgabe kürt. Wurde am Insolvenzgericht München vor fünf Jahren noch keine einzige Top-30 Sozietät bestellt, so sind 2005 mit Brinkmann & Partner, hww wienberg wilhelm, KÜBLER, PLUTA, SKP Partnergesellschaft und White & Case Insolvenz GbR gleich sechs Top-30 Sozietäten in der bayerischen Landeshauptstadt vertreten. Das gleiche gilt für Köln. Hier hat sich die Anzahl der Top-30 Sozietäten innerhalb von fünf Jahren von zwei auf vier verdoppelt. Noch deutlicher wird die Vergabepraxis der Gerichte, wenn der Durchschnitt der Unternehmensinsolvenzen pro bestelltem Verwalter erhoben wird. So sank dieser Wert am Insolvenzgericht München von 3,59 auf 3,51 Verfahren pro Verwalter für den Vergleichszeitraum. Noch beachtlicher fiel dieser Durchschnitt am Insolvenzgericht Dresden von 6,23 Verfahren pro Verwalter auf 3,23 Verfahren pro Verwalter. Doch nicht überall gibt es diesen „open shop“. War das Insolvenzgericht Berlin-Charlottenburg 2000 mit 9,125 Spitzenreiter in Sachen „closed Shop“, so hat sich der Wert in diesem Jahr auf 10,57 Verfahren pro Verwalter noch verschlechtert. Aber auch hier ist man der Ansicht, Berlin habe keinen „closed shop“. So denkt Insolvenzrichterin Stephanie John, eine von zehn Richtern am Insolvenzgericht Berlin-Charlottenburg. „Wir haben eine ständige Fluktuation unter den Verwaltern. Eine Statistik kann nach vielen Kriterien ausgelegt werden.“

Durch Statistik sind die Insolvenzgerichte und die Verwalter unter Beobachtung

Wie sehen die anderen Insolvenzrichter die Statistik für ihr Gericht?
„Für den Bereich des Insolvenzgerichts Köln bin ich mit der Vergabepraxis zufrieden. In Köln hatten wir immer Transparenz – 4,63 Verfahren pro Verwalter sprechen klar gegen einen ‚closed shop’“, erklärt Prof. Dr. Heinz Vallender, Leiter der Insolvenzabteilung des Amtsgerichts Köln. „Die INDat-Datenbank hat die Transparenz der Bestellung verbessert. Durch die statistische Erfassung sind die Insolvenzgerichte und die Verwalter unter Beobachtung“, stellt Werner Schäferhoff, Richter am Insolvenzgericht Dresden, fest. Er ergänzt: „Ich schaue nicht bei jeder Bestellung auf die Liste im INDat-Report. Dennoch hat sie schon mehr Transparenz in die deutschen Amtsstuben gebracht.“

Statistik trocknet den „Nährboden der Korruption“ aus

„Transparenz ist immer gut“, erklärt Rudolf Voß, Richter am Insolvenzgericht München. „Wir hatten an unserem Insolvenzgericht noch nie einen ‚closed shop‘.“ Damit meint er den Schnitt von 3,51. Voß: „Die INDat-Datenbank sorgt auf jeden Fall für mehr Transparenz. Allerdings sagt die Statistik nichts darüber aus, wie qualitativ gut oder schlecht die Arbeit der Verwalter ausfällt.“ Aber: „Wenn die Verwalter wie in München alle fünf Jahre fast zur Hälfte ausgetauscht werden, spricht das eigentlich gegen Korruption.“ Voss ist der Ansicht, dass eine gute Statistik „den Nährboden der Korruption“ austrocknen könne.
Diesem Argument schließt sich der Kölner Rechtsprofessor Dr. Hanns Prütting an. „Die Verwalter kennen sich untereinander. Wenn ein Verwalter eine zu große Zahl von Verfahren bekommt, der er nicht gewachsen ist, fällt das schon auf.“ Auch er ist der Meinung, dass in den letzten Jahren bei vielen deutschen Insolvenzgerichten mehr Transparenz eingezogen ist.

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