INDat-Report 7-2003
Die Versager in der Chefetage
Managementfehler sind nach Erkenntnis
von Experten der häufigste Insolvenzgrund
Von Jens HertlingKÖLN. Fehler in der Chefetage muss meistens die Belegschaft eines Unternehmens ausbaden: Seit etwa einem Jahrzehnt gilt es als gesicherte Erkenntnis, dass die Hauptursache für Firmenpleiten Managementfehler sind. Über die Frage, warum das eine Unternehmen eine Krise übersteht, das andere aber nicht, gibt es inzwischen eine Fülle von Literatur und Studien. Erst im Mai 2003 wurden die neuesten Analysen in einer Studie (siehe Stichwort I) vorgestellt. INDat-Report legt den Finger in die Managerwunden.
"Bei unseren 52 ausgewerteten Fällen spielten bei einer Insolvenz Managementfehler keine Rolle", berichtet Volkhard Emmrich, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner. Und: "Managementfehler kommen branchenunabhängig vor".
"Bei ungefähr 80 Prozent aller Insolvenzen in Deutschland ist das Management schuld". Zu dieser Ansicht ist der Berliner Insolvenzverwalter Peter Leonhardt gelangt. "Ich beobachte den Markt schon seit 30 Jahren. Es betrifft alle Branchen. Fast immer sind Managementfehler die Ursache der Insolvenz."
In den kranken Unternehmen werde laboriert, bis es zu spät ist. "Mit dem neuen Insolvenzrecht kann man aber die Leichen aus dem Keller holen", sagt Leonhardt. Dabei sind die Manager nach der Erfahrung des Insolvenzspezialisten oft gut ausgebildet. "Meistens ist ein wenig Arroganz im Spiel, denn nach dem Insolvenzantrag bekommen sie einen Verwalter vor die Nase gesetzt - und wer hat das schon gern."In den kranken Unternehmen wird laboriert, bis es zu spät ist
Und: "Meist kommt der Insolvenzantrag zu spät und das Ding ist an den Baum gesetzt."
So lief es beim Büroartikelhersteller Herlitz, wo die Vorstände des Berliner Papierherstellers, Christian Supthut und Norbert Strecker sehr spät zum Insolvenzgericht gegangen sind. "Supthut und Strecker kamen allerdings erst an Bord, als sich die Insolvenz schon abzeichnete. Hätten sie mehr über die Möglichkeiten in der Insolvenzordnung gewusst, dann wäre der Insolvenzantrag eher gestellt wurden. Wir haben dann gut zusammengearbeitet, so dass wir das Unternehmen retten konnten und damit den Erhalt von rund 3000 Arbeitsplätzen" erinnert sich Leonhardt.
Das Phänomen, dass viele Manager mit des Insolvenzantrag warten, ist Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann aus Hamburg schon öfters begegnet. "Je früher der Antrag erfolgt, desto besser ist es für die Firmenrettung", rät er allen Wirtschaftsbossen im Land. "Das ist mir besonders in den neuen Bundesländern begegnet, dass die Manager zu lange mit dem Insolvenzantrag gewartet haben. Die Arbeiter und Angestellten haben dort noch eine hohe Firmenloyalität, so dass sie von sich aus nicht viel unternehmen."
In einer Untersuchung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit dem Titel "Warum Firmen Pleite machen", ließen die ausgewerteten Daten den sicheren Schluss zu, "dass die Managementqualitäten im Unternehmen eine sehr wichtige, vielleicht sogar die entscheidende Rolle unter den Insolvenzgründen spielen."
Die KfW, die zu den größten Mittelstandsfinanziers hier zu Lande gehört, kommt in ihrer Studie zu dem Ergebnis, dass Insolvenzen nie auf eine einzige Ursache zurückzuführen sind. Erst das Zusammentreffen mehrerer Faktoren - von der veralteten Produktpalette über eine zu geringe Eigenkapitalquote bis zur ungünstigen Konjunkturentwicklung - führe dazu, dass ein Unternehmen zahlungsunfähig wird.
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