INDat-Report 6-2003

"Die goldenen Zeiten sind vorbei"
Sportvereine in der Insolvenz

Von Jens Hertling

BERLIN. Tag für Tag dringen neue spektakuläre Pleiten an die Öffentlichkeit. Inzwischen treten verstärkt Insolvenzfälle in atypischen Bereichen der Wirtschaft auf. Meldungen aus dem Bereich der Sportvereine wie die Pleite des Fußballvereins Waldhof Mannheim oder des Eishockeyklubs Schwenningen lassen aufhorchen. Unvergessen ist der Fernseh-Auftritt der Fußballer des SV-Babelsberg, die geschlossen zum Arbeitsamt marschierten. Was ist daran? INDat-Report hat sich umgehört.

"Insolvenzen kommen bei uns sehr wenig vor", berichtet Harald Piper, Pressesprecher des Deutschen Sportbundes (DSB), der Dachorganisation aller Sport-Verbände. Und in Zahlen ausgedrückt? "Ein Bruchteil würde ich sagen, nicht mehr als ein Prozent", schätzt Piper. Der DSB vertritt 89.000 Vereine. "Die meisten Vereine sind gemeinnützige Vereine, die von Fördergeldern und Spenden leben, die nicht pleite gehen. Die einzigen Pleiten die vorkommen, registrieren wir im Profi-Bereich", erklärt Piper. "Und wenn es dort einmal vorkommt, dann werden alle Register gezogen, um den Verein zu retten", berichtet Piper. Und das wären welche? "Dann müssen sie bei den Deutschen Fußballbund oder der deutschen Eishockeyliga nachfragen", wehrt Piper die Frage energisch ab.

Nicht mehr als ein Prozent Pleiten

Eine Hierarchie weiter unten. Dem Deutschen Fußballbund scheint an dem Thema Insolvenzen wenig gelegen zu sein: "Insolvenzen gibt es schon bei uns. Denken Sie an Babelsberg, Reutlingen oder Mannheim. Die Insolvenz tritt ein, wenn die Kosten zu hoch sind", beantwortet vielsagend Gerhard Meier-Röhn, Pressechefs des DFB, die Anfrage von INDat-Report.
Doch wie kommt es wirklich zu Insolvenzen von Sportvereinen? "Die Ursachen sind vielfältig. Seit dem Bossmann-Fall (siehe Stichwort) dürfen die Spieler ablöse frei nach Vertragende wechseln. Hinzu kommt eine Steigerung der Gehälter der Spieler um teilweise 60 Prozent. Ein dritter Grund ist, dass die Preise für Fernsehrechte nach der Kirch-Pleite enorm gesunken sind", erklärt Ulrich Haas, Professor an der Johannes-Gutenberg Universität Mainz. Sein Doktorand Wolfgang Kreisig, Olympiateilnehmer im Hochsprung von Sydney, der zu dem Thema: "Sportvereine und die Insolvenz" promoviert, ergänzt: "Wir hatten in der letzten Zeit einen sprunghaften Anstieg von Insolvenzen. Ein Grund ist vor allem die große Misswirtschaft, die viele Vereine betreiben. Im Breitensport werden die Vereine meistens gerettet, allein schon wegen der großen sozialen Bedeutung, die den Vereinen zukommt." Und: "Die Vereine werden oftmals nicht profihaft geführt. Oftmals leiten Feierabendfunktionäre den Verein."

"Oftmals leiten Feierabendfunktionäre den Verein"

Dem kann Rechtsanwalt Jörg Dauernheim, Partner der Sozietät Dauernheim und Kollegen, nur zustimmen: "Es kracht hauptsächlich im Profibereich, vornehmlich im Fußball, Handball und Eishockey. Grund sind fehlende Einnahmen und höhere Ausgaben. Sehr oft werden illegale Tricks angewendet, wie Steuerhinterziehung etc. So sitzt der Präsident des Eishockeyklubs Düsseldorfer EG in Untersuchungshaft."

 

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