INDat-Report 03-2004
Vom Krankenhaus zum Notfall
Immer mehr Kliniken werden
in der nächsten Zeit pleite gehen
Von Jens Hertling
BERLIN. Seit Wochen geht in Berlin das Tauziehen um den angeschlagenen Krankenhauskonzern Vivantes durch die Medien. Spektakuläre Pleiten gab es bisher noch nicht aber sie sind nach Ansicht von Experten nur noch eine Frage der Zeit: Die Insolvenz von Krankenhäusern. Ein Grund mehr für INDat-Report, sich diesem großen, aber auch sensiblen Markt zu widmen.
„Ich gehe davon aus, dass in der nächsten Zeit von den 2.000 deutschen Kliniken etwa ein Drittel dichtmachen werden“, prophezeit der Kasseler Verwalter Dr. Fritz Westhelle (Dithmar Westhelle Assenmacher Zwingmann). Dem stimmt Unternehmensberater Dr. Uwe Hesslau (IVP-Management Beratung) zu: „Der Krankenhausmarkt mit einem Umsatzvolumen von 64 Milliarden Euro steht vor neuen Herausforderungen: In den nächsten zehn Jahren wird erwartet, dass bis zu 15 Prozent der 2.240 Krankenhäuser schließen werden.“
In einer Pressekonferenz vom 10. Februar sagte Dr. Johannes Krämer, Präsident der Krankenhausgesellschaft von Nordrhein-Westfalen: „Die 462 Krankenhäuser in unserem Bundesland müssen ein Defizit von 650 Millionen Euro verkraften. Damit bescherte das festgeschriebene Budget mit geringer Steigerungsrate jedem Krankenhaus zwischen Rhein und Weser in den Jahren 2003 und 2004 eine Finanzlücke von rund 1,4 Millionen Euro.“ Die Ursachen für diese Entwicklung liege in der gesetzlichen verordneten Festschreibung der Krankenhausbudgets und der damit verbundenen Anbindungen an die Einnahmen der Krankenkassen. Krämer: „Die Krankenhäuser werden so in den finanziellen Ruin getrieben.“
„Die Krankenhäuser werden so in den finanziellen Ruin getrieben“
Die Einnahmen der Krankenhäuser stiegen in diesem Jahr nur um 0,2 Prozent, dies seien rund 2,4 Millionen Euro. Dagegen kletterten die Ausgaben der Kliniken um 2,7 Prozent auf 324 Millionen Euro. Die Finanznot der Krankenhäuser führt laut Kramer zu weiterem Stellenabbau. „Viele Krankenhäuser stehen mit dem Rücken zur Wand“, hob Dr. Kramer hervor.
Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Krankenhausinstituts seien in Nordrhein-Westfalen im ersten Halbjahr 2003 rund 1.900 volle Stellen abgebaut wurden.
Bis zu 90 Prozent der Kliniken und Pflegeheime sind finanziell so angeschlagen, dass sie kein Kapital von privaten Geldgebern bekommen werden. Das ist die Kernaussage des Gesundheitsreports der Unternehmensberatung HPS. Die Zusammenarbeit oder die Fusion mit anderen Häusern hilft Kliniken nach Ansicht von HPS nur wenig, um die eigene Finanzsituation besser darstellen zu können. Ohne grundsätzliche strukturelle Änderungen stünde auch das größere Gebilde bald vor dem Aus. „Durch den Zusammenschluss von zwei oder mehreren Halbtoten entsteht kein Gesunder”, heißt es dazu im Report.[...]
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