INDat-Report 2-2003
Baron bittet kräftig zur Kasse
20 Millionen Euro für Verwalter Baron Siegfried von Hohenhau
Von Jens HertlingHALLE an der Saale. Elf Jahre nach der Eröffnung ging ein von Skandalen geprägtes Gesamtvollstreckungsverfahren jetzt ganz still über die Bühne. Im Amtsgericht Halle wurde in einem Schlusstermin die Akte "Konsumgenossenschaft Halle" geschlossen. Der Verwalterlohn: 20 Millionen Euro.
Rückblick: Halle im Februar 1992. Die neuen Länder sind im Umbruch - die Menschen stehen zwischen Aufbruch und Hoffnungslosigkeit. Die Konsumgenossenschaft Halle, die Größte in den fünf neuen Bundesländern, ist pleite. Über Nacht stehen 3500 kleine Läden vor dem Aus, 22 000 Mitarbeitern droht die Entlassung.
472 000 Genossen sehen zudem die "Nachschusspflicht" auf sich zukommen: Jedes Mitglied sollte einen Teil der Konsum-Schulden tragen. Die Idee dazu hatte Siegfried Baron von Hohenhau. Nicht um die 472 000 Mitglieder abzukassieren - eher um der Politik Druck zu machen, damit das Land Sachsen-Anhalt für den Konsum einspringt.
"Baron von Hohenhau war als unbekannter Verwalter im März 1992 vom Amtsgericht Halle als Sequester eingesetzt worden. Geschäftswert des Unternehmens: 450 Millionen Mark", sagt Heidi Dürr, Redakteurin der Lebensmittelzeitung, die damals über die Verfahren berichtete.
Für fünf Werktage 12,72 Millionen MarkWas folgte, waren Skandale über Skandale. "Die Hauptrollen spielten damals der Konkursverwalter der KG, der Münchener Rechtsanwalt Dr. Siegfried von Hohenhau, sowie der Konkursrichter und Präsident des Amtsgerichts Halle", erinnert sich die Redakteurin. Und ergänzt: "Dem Sequester und späteren Verwalter der KG Halle wurde für die Zeit vom 24. Februar 1992 bis zur Konkurseröffnung am 2. März 1992, also für nur fünf Werktage, eine Vergütung von 12,72 Millionen Mark netto zugesprochen. Dies entspricht, unterstellt man einen extremen Arbeitseinsatz von 16 Stunden pro Tag, einem Stundensatz von 159 000 Mark - nach Angaben von Branchenkennern die bisher höchste Sequester-Vergütung in der Bundesrepublik."
Es gab Prozesse, Eilentscheide, Verfügungen, Durchsuchungen. Hohenhau wurde für ein paar Tage ausgebootet, boxte sich aber zurück in den lukrativen Job. Gegen ihn wird in der Folge wegen Bestechung ermittelt und wegen Aktenunterdrückung. Die Staatsanwaltschaft leitet ein Ermittlungsverfahren ein gegen Jan-Dirk Dreßler - den Richter, der Hohenhau als Verwalter bestellte."Ein Anwalt aus München hat sich in Halle gut bedient"
Einige Zitate aus dem "Spiegel" (11. Oktober 1993): "Ein Anwalt aus München hat sich in Halle gut bedient." - "Der in der Insolvenzpraxis ungeübte Baron " - "Emsig hatte sich deshalb auch der Baron aus München um den Fall in Halle bemüht. Er schrieb die Konkursrichter einzeln an, um sich als Abwickler zu empfehlen. So geriet er an den Hallenser Zivilrichter Dreßler."
"Der Jurist war dem großspurig auftretenden Anwalt von Anfang an nicht gewachsen. Der Mann gefiel ihm, er traf sich privat mit ihm und brüstete sich gegenüber Bekannten mit seinem guten Verhältnis zu dem älteren Adligen. Selbst mit Hohenhaus Sohn freundete Dreßler sich an. Die beiden Männer verbrachten auf Einladung von Hohenhaus Vater einen Kurzurlaub im Ferienhaus der Familie auf Elba." "Wen meine Eltern bei sich beherbergen", so Konkursverwalter Hohenhau, "ist doch deren Bier."[...]
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