INDat-Report 1-2003
Banken wollen mitreden
Keine Auskunft über Zahl der KundeninsolvenzenVon Jens Hertling
FRANKFURT/BERLIN/DÜSSELDORF. Deutschlands Unternehmen sind Spitzenreiter in Europa - doch leider nur, wenn es um Insolvenzen geht. Im Jahr 2002 haben mehr als 39.000 Schuldner den Weg zum Insolvenzgericht antreten müssen. Was denken die Großgläubiger und wie sehen die Banken die steigende Anzahl von Insolvenzen? Eine Insider-Recherche von INDat-Report bei führenden deutschen Banken führte zu verblüffenden Ergebnissen.
"Leben sie, wir kümmern uns um den Rest" - so lautet der Werbeslogan einer großen Bank. Beim Thema Insolvenzen halten sich Deutschlands Banken bedeckt. "Die Zahl der Insolvenzfälle in Deutschland ist gestiegen", äußert sich vielsagend ein Jurist in der Deutschen Bank in Frankfurt/ Main. Und bei Ihnen? "No Comment", reagiert er auf die gestellte Frage. Unbestimmt und nebulös antwortet auch die Düsseldorfer WGZ- Bank: "Die gestiegene Anzahl an Insolvenzen hat bei den Banken bekanntermaßen zu erheblichen Forderungsausfällen geführt. Ziel der Banken ist, beides in den nächsten Jahren deutlich zu reduzieren."
Die Anfrage nach einem Interview lehnt die Stadtsparkasse Köln ab - immerhin die zweitgrößte Sparkasse des Landes - mit der Begründung, "...dass wir Ihnen derzeit keinen Gesprächspartner vermitteln können." Gleichzeitig folgt der Hinweis, dass sich INDat-Report an einen der Verbände wenden soll, um Auskunft zu bekommen. Was Hartmuth Frings, Abteilungsdirektor Recht des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands Berlin, wiederum zum Erstaunen brachte. "Der Verband kann keine konkreten Zahlen nennen, das kann nur eine Sparkasse vor Ort. Ich weiß nur, was allgemein bekannt ist, dass es viele Insolvenzen gegeben hat. Der DSGV ist nur für die Lobbyarbeit zuständig und vertritt in Berlin die Interessen der Sparkassen", so Frings."Die Zunahme der Insolvenzen hat uns nicht überrascht"
Mehr Erfolg dann bei der Commerzbank in Frankfurt/Main. "Die erhöhte Zahl von Insolvenzen hat zu einem erhöhten Arbeitsaufwand geführt. Damit wir die größere Zahl professionell abwickeln können, haben wir mehr Personal eingestellt. Die Zunahme der Insolvenzen hat uns aber nicht überrascht, denn es hat sich 2001 schon abgezeichnet", berichtet Reinhard Voß, Fachbereichsleiter des Zentralen Risikomanagements der Commerzbank Frankfurt/ Main. Und: "Zahlen für 2002 darf ich noch nicht nennen, weil sie noch nicht offiziell sind. Aber die Anzahl von insolventen Kunden ist gestiegen. Die Banken merken schon den rauen Wind, der durch die Wirtschaft weht."
"2002 war schon ein besonderes Jahr, was Insolvenzen angeht"Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt die West LB in Düsseldorf. "2002 war schon ein besonderes Jahr, was Insolvenzen angeht. Viele Insolvenzen betrafen den Mittelstand. Da wir hauptsächlich im Großkundengeschäft tätig sind, ist das bei uns bearbeitungsmäßig weniger ins Gewicht gefallen", sagt Klaus Martin, Leiter der Verwertungsabteilung der West LB.
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